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Archiv für die '081 Musik im Hörtest' Kategorie

Kritik in Textform zu Alben, Musik, Bands, Auftritten

Albert Hammond Jr.: ¿Como te llama? , Rouch Trade 2008

Erstellt von Andy am 14. August 2008

Junge, Junge, Junge – und da soll noch mal einer sagen, dass Soloprojekte nicht fetzen und musikalische Selbstverwirklichung husch die Waldfee in Richtung Bedeutungslosigkeit führt. Denn was Ex-Strokes-Gitarrist Albert Hammond Jr. da unter eigenem Namen klanggeboren hat, ist einfach nur ohrenbetäubend und zuckersüß. ¿Como te llama? ist sein mittlerweile zweites Studioalbum jenseits der legendären Rhythmuskapelle The Strokes. Und weil Hammond weiß, wie man ordentliches Handwerk aus seinem Instrument genistelt, stecken hinter ¿Como te llama? auch Oh-yeah-Qualitäten ganz besonderer Güte.

Eigentlich braucht man auch gar nichts weiter zu sagen, vor allem nicht über die Songs. Die nämlich sind allesamt vorzüglich. Wenn überhaupt zwei hervorzuheben sind, dann GFC und Victory At Monterey – an deren treibenden Rhythmusstrukturen hätte sicher auch Soul-Legende Isaac Hayes seine Freude gehabt… Bevor dies aber in einem Nachruf auf dahingeschiedene Soulgrößen endet, sei nur schnell noch auf eines verwiesen:Wer keine Lust hat sich im Coverflow von Westentasches Muckemaschine die Finger wun zu kurbeln, dem sei der physische – also gepresste – Musikträger wärmstens empfohlen. Denn damit kann man nicht nur die Panini-Manie vergangener EM-Tage Revue passieren lassen und/oder die Bastelfreuden seiner Kindheit reanimieren (little surprise, surprise!), sondern hat auch noch ein bisschen was zu gucken – schließlich kommt das Rondell mit einer 10 Songs schweren Live-DVD, die den Junior samt Band bei einer Show in New York City zeigt.

Ergo: Indie-Roll allerfeinster Güte; DigiPack überzeugt auch Plattenkaufmuffel

http://alberthammondjr.com/

http://www.myspace.com/alberthammondjr

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The Fratellis: Here We Stand, Universal 2008

Erstellt von Andy am 15. Juni 2008

Freunde verkitschter Hollywoodstreifen würden sich nach solchen Geschichte sicher die Finger lecken: Junger Musiker sucht per Aushang in einem Glasgower Musikladen Mitglieder für seine Band, nur ein Jahr später landen die Newcomer mit ihrem Debüt auf Platz 2 der UK-Charts… Weil wir hier aber weder vorhaben, über verkitschtes Filmgut zu sprechen, noch über den wahnsinnigen Erfolg des Fratelli Debüts «Costello Music» zu schwadronieren, das -wegen seiner hohe Hitdichte- eh jeder kennt, vergessen wir lieber die schleppende Einleitung und kommen zur Sache, Schätzchen:

Denn Anfang Juni haben John, Barry und Mince Fratelli ihr zweites Album veröffentlicht – «Here We Stand» heißt das Stück, auch diesmal wieder vom Major Universal in die Presse geschickt. Schon der erste Song der Platte, «My Friend John», macht klar, wo’s langgehen soll. Der nämlich kommt nach altbewährtem Muster à la

«Henrietta» daher, und es ist klar: man will an alte Erfolge anknüpfen. Soweit, so gut. Allerdings sind die Rhythmusbrüder vielleicht ein bisschen vom Weg abgekommen, denn man vermisst manchmal den homogenen Sound der Vorgängerplatte. Dadurch aber haben die Glasgower nicht minder interessante Seitenpfade erkundet. Und so wundert es nicht, dass auch für dieses Album die buntesten Einflüsse aus den Schubladen des goldenen Rock’n’Roll-Äthers gezogen wurden – ja, es gibt sogar Leute, die wollen selbst Udo Jürgens herausgehört haben… In jedem Fall ist «Here We Stand» solider Standard in Sachen UK-Rock, der durch Abwechslungsreichtum besticht. Wer durch diesen –zugegeben- etwas konfusen Text eher verwirrt denn orientiert zurückbleibt, dem empfehle ich:

Album einfach selbst mal zur Hand nehmen und Ohr werden –lohnt sich allemal! Einziger Wermutstropfen: Wer Vinyl mag, muss ein halbes Vermögen dafür hinblättern. Also diesmal vielleicht ausnahmsweise auf Tocotronic hören: digital ist hier wirklich besser…

Abwechslungsreicher UK-Rock, Mainstream-Nachgeschmack allerdings bleibt.

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Friska Filjor: Tour de hearts, Devil Duck Records 2008

Erstellt von Andy am 7. Juni 2008

So ein bisschen geht einem der Schweden-Hype schon auf die Nerven. Manchmal hat man das Gefühl, dass sich die Hälfte aller Nordbrüder (ja ja, und –schwestern…) im Musikgeschäft tummeln – aber verdammt noch mal, die Herrschaften hoch im Norden wissen einfach auch, was gute Musik ist! So auch die Stockholmer Band Friska Filjor, die schon mit ihrem Debütalbum »bravo!« ein bisschen für Furore gesorgt hat (ich persönlich erinnere da nur an nicht enden wollende Schlangen vor der Prinzenbar während des Reeperbahnfestivals in Hamburg, einfach Wahnsinn!). Und tatsächlich war »bravo!« musikalisch einer der wenigen Lichtblicke des letzten Jahres.

Jetzt sind die Schweden mit ihrem zweiten Album «tour de hearts» gestartet und haben wieder einmal den Kreis der Konventionen durchbrochen. Melancholische Texte gepaart mit temporeicher Stimmungsmusik – das klingt komisch, funktioniert aber hervorragend. Denn die beiden Köpfe von Friska Filjor, Daniel Johannson und Joakim Sveningsson, zaubern einem -trotz aller Tristesse- immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Der unverkennbare Friska Filjor-Sound ist ein Klang-Wirrwarr mit den unterschiedlichsten Einflüssen – ob Folk, Pop oder Indie, Disko oder Elektro-Dance, diese Musik macht einfach, was sie will. Und das ist auch gut so.

«tour de hearts» ist, wie auch das Debüt der Jungs, sehr erfrischend, sehr tanzbar und vor allem sehr zu empfehlen – wer die Shout Out Louds mag, wird Friska Filjor lieben!

Feine Kunst, gehört in jede Plattensammlung – Chapeau, meine Herren, Chapeau!

http://www.myspace.com/friskaviljor

http://www.devilduckrecords.de/

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